Lyon – Stadt der Lichter

Letzte Änderung 29. Dezember 2023

Aufnahmedatum: 1. Oktober 2021

Die Brüder Lumière

Dass Lyon die Stadt der Lichter [franz.: ville des lumières] genannt wird, ist vor allem dem Nachnamen der beiden Brüder Auguste (1862-1952) und Louis (1864-1948) Lumière zu verdanken, die aus Besançon stammten. Ihr Vater Claude Antoine Lumière (1840–1911), war ein erfolgreicher Porträtfotograf. Er ließ sich 1870 in Lyon nieder, wo er sich in der Herstellung von Gelatine-Trockenplatten versuchte. 1881 erfand sein Sohn Louis gebrauchsfertige, sofort trocknende Fotoplatten, die den Reichtum der Familie begründeten. 1894 produzierten sie mit ihren 300 Arbeiter etwa 15 Millionen Fotoplatten.

Die beiden Brüder, die alles brüderlich teilten, aber stets getrennt arbeiteten, erfanden Hunderte von kinematografischen und fotografischen Verfahren und meldeten dafür mehr als 170 Patente an. Sie heirateten Schwestern und wohnten in symmetrischen Wohnungen in derselben Villa.

Institute Lumière

Das Institut Lumière, dessen Hauptsitz sich in der Villa Lumière in Lyon befindet, ist ein Verein, der 1982 gegründet wurde und seine Tätigkeit der Verbreitung und Erhaltung des Filmerbes widmet. Die Adresse der Villa ist Rue du Premier Film, 69008 Lyon, Frankreich, im Quartier Monplaisir, 8. Arrondissement, in der Nähe der Metro-Station Monplaisir – Lumière der Linie D.

Musée Lumière

Der Vater der Brüder Lumière ließ die Villa zwischen 1899 und 1902 in unmittelbarer Nähe der Lumière-Fabriken erbauen. Es war das Wohnhaus der Familie Lumière und beherbergt heute das Musée Lumière, ein Dokumentationszentrum, Seminarräume und einen Kinosaal mit 87 Plätzen.

Der erste Film

Das erste Thaumatrop

Durch Verdrehen der Schnüre und nachfolgendes Ziehen an deren Enden wird die Scheibe um die Achse der Schnüre in Drehung versetzt, so dass das Reh optisch zu rennen scheint. Die Erfindung des Thaumatrop [deutsch: Wunderscheibe] wird dem Geologen William Henry Fitton (etwa 1825) zugeschrieben.

1868 wurde an der französischen Grabungsstelle Laugerie-Basse eine kreisrunde, durchbohrte 15.000 Jahre alte Knochenscheibe gefunden, die aufgrund des Lochs in der Mitte lange als Knopf interpretiert wurde. Das kleine Plättchen zeigt auf der einen Seite einen stehenden, auf der anderen Seite einen liegenden Gamsbock. Mit Hilfe einer originaltreuen Kopie und einer Schnur konnten die Archäologen Marc Azéma und Florent Rivière zeigen, dass es sich um ein erstes Thaumatrop aus der Steinzeit handelte. Durch die Drehung steht der Gamsbock abwechselnd auf und legt sich wieder hin.

In seinem Buch La préhistoire du cinéma: Origines paléolithiques de la narration graphique et du cinématographe aus dem Jahr 2015 dokumentiert der Autor Marc Azéma in zahlreichen weiteren Beispiele die paläolithischen Ursprünge der bildlichen Erzählung und des Kinematographen.

Der erste Zeichentrickfilm

Walt Disney präsentiert das Théâtre Optique von Émile Reynaud

Der erste Zeichentrickfilm mit dem Titel Théâtre Optique aus dem Jahr 1888 stammte von Émile Reynaud und wurde am 28. Oktober 1892 erstmals einem Publikum gezeigt. 1894 nahm der Vater von Auguste und Louis an einer Vorführung in Paris teil. Ihm wurde klar, dass das bewegte Bild ein vielversprechender Markt für die Familie war, wenn es ihnen gelang, bewegte fotografische Bilder auf eine Großleinwand zu projizieren.

Der erste fotografische Film

Die beiden Brüder machten sich gleich danach an die technische Realisation und bauten den ersten Kinematographen, ein Gerät, das zugleich Filmkamera, Kopiergerät und Filmprojektor war.

Lyon Institute Lumiere 22

Am 19. März 1895 stellte Louis Lumière die neue Erfindung, den Kinematographen, genau an dieser Stelle außerhalb des Gebäudes vor den Fenstern des Kesselraums der Fabrik auf und drehte den ersten fotografischen Film: La Sortie des usines Lumière [deutsch: Der Ausgang der Lumière-Werke]. Der weniger als eine Minute lange Film wurde erstmals am 22. März 1895 in Lyon sowie am 28. Dezember 1895 in Paris vor zahlendem Publikum vorgeführt. Im Laufe des Jahres 1896 wurden zwei weitere Versionen gedreht.

La Sortie des usines Lumière
Der Ausgang der Lumière-Werke
(alle drei Versionen)

Auf dem ehemaligen Fabrikgelände befindet sich heute ein weiterer Kinosaal, der historische Hangar du Premier-Film mit 269 Plätzen.

Festival Lumière

Jedes Jahr im Oktober findet in Lyon das Festival Lumière statt, ein weltweites Treffen, das dem klassischen Kino gewidmet ist. Der jährliche Lumière-Preis wird an eine Filmpersönlichkeit für ihr Gesamtwerk verliehen. Im Jahr 2023 wird Wim Wenders den 15. Preis erhalten und die Nachfolge von Tim Burton, Jane Campion, Jean-Pierre und Luc Dardenne, Francis Ford Coppola, Jane Fonda, Wong Karwai, Catherine Deneuve, Martin Scorsese, Pedro Almodóvar, Quentin Tarantino, Ken Loach, Gérard Depardieu, Milos Forman und Clint Eastwood antreten.

Café Lumière

Gegenüber des Hangars gibt es eine Kinobuchhandlung mit DVD-Verkauf, eine Filmkunstgalerie und das Café Lumière mit einem Gartencafé.

Lugdunum – Hügel des Lichts

Man geht heute davon aus, dass noch vor der Gründung der römischen Kolonie spätestens im 2. Jh. v.Chr. ein gallisches Oppidum mit dem Namen Lugdunum auf dem Hügel Fourvière in Lyon existiert haben muss.

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Die römische Kolonie Lugdunum (Lyon)
Zeichnung: Jean-Claude Golvin

Strittig unter den Sprachwissenschaftlern und Historikern ist die Bedeutung des Ortsnamens Lugdunum. Einig sind sie sich lediglich über den keltischen Wortstamm Dun [deutsch: ein befestigter Ort auf einem Hügel]. Der Wortstamm Lug wird von vielen auf den pankeltischen Gott Lugh zurückgeführt, der in zahlreichen Ortsnamen der keltisch sprechenden Welt verbreitet war.

Lugh ist zugleich der Leuchtende und der Schatten, ein Grenzgänger zwischen Licht und Dunkelheit, Leben und Tod. Da das mittelgriechische Wort llug hell bedeutet, könnte sein Name auch mit Licht und der Ortsname Lugdunum mit Hügel des Lichts übersetzt werden.

Fête des Lumières – Fest der Lichter

Der wichtigste Grund aber, warum Lyon die Stadt der Lichter genannt wird, ist das Fest der Lichter [franz.: fête des lumières], das seit 1852 jedes Jahr vier Tage lang um den 8. Dezember stattfindet und heute Millionen Besucher anzieht. Mittlerweile hat es sich zum größten Kunstfestival Frankreichs entwickelt, das die Stadt mit zahlreichen Lichtinstallationen vier Abende lang in eine große Lichtershow verwandelt.

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Ausgangspunkt für das Fest war die Einweihung der vergoldeten Marienstatue auf dem Hügel Fourvière am 8. Dezember 1852 zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis Marias. An jenem Abend hatten die Lyoner Bürger die Stadt mit Lichtern auf ihren Fensterbänken zum Leuchten gebracht.