Vila Nova de Milfontes

Letzte Änderung 10. Juni 2024

Mündungsstadt am Rio Mira

Vila Nova de Milfontes [deutsch: Neue Stadt der Tausend Quellen] ist eine alte portugiesische Flusshafenstadt im Alentejo und liegt an der Nordseite der Mündung des Rio Mira in den Atlantik. Sie wurde 1486 von König Dom Joao II. gegründet.

Seitdem der Ort 2013 als eine Station auf dem Fischerpfades ausgewiesen wurde, ist der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Zu den ca. 5000 Einwohnern kommen im Sommer mindestens noch einmal so viele Besucher aus ganz Europa in diesen malerischen Ort.

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Taxiboot Maresia – Mündung des Rio Mira

Für die Wanderer auf dem Fischerpfad gibt es in Vila Nova de Milfontes zwei Möglichkeiten, den Fluss zu überqueren:

  1. Man überquert den Rio Mira mit dem Taxiboot Maresia, das Fußgänger und Radfahrer von der Stadt (unterhalb der Festung) zur Anlegestelle am Praia das Furnas gegenüber und zurück befördert. Der Fahrplan ist unregelmäßig und eine Reservierung ist zu empfehlen.

  2. Man überquert den Fluss über die Straßenbrücke, die etwa einen Kilometer nordöstlich der Altstadt liegt. Der „Umweg“ bis zum Anleger am Ufer gegenüber hat eine Länge von 4,5 Kilometern, für die man etwa 70 Minuten braucht. Dafür läuft man an der Südseite des Flusses durch einen zauberhaften Hain mit Korkeichen.
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Straßenbrücke über den Rio Mira (1978)

Festung São Clemente 

Die Stadt blickt auf eine bewegte Geschichte zurück und war über die Jahrhunderte hinweg den Gefahren des Meeres durch Piraterie und Kaperfahrten ausgesetzt. Im Jahr 1590 zerstörte ein gewaltiger Korsarenangriff die Stadt. Um die Stadt, ihr Hinterland und die Schifffahrt zu schützen, wurde daraufhin zwischen 1599 und 1602 unter König Dom Filipe II. in exponierter Lage unmittelbar an der Mündung des Rio Mira die Festung São Clemente errichtet.

Auf einer felsigen Landzunge am rechten Ufer des Flusses Mira wachte sie Fesung Jahrhunderte über die Flussmündung. Im Schatten ihrer schützenden Mauern konnte sich Vila Nova de Milfontes nach Norden und Osten ausdehnen.

Im 19. Jh. verlor die Festung ihre militärischen Funktionen und wurde Anfang des 20. Jh. auf einer öffentlichen Auktion an Privatpersonen verkauft. Im Jahr 1939 wurde die Festung von Luís Manuel de Castro e Almeida erworben, der umfangreiche Restaurierungsarbeiten anordnete. Dabei ließ er die Struktur der Festung ändern, indem ein Teil davon in eine Privatresidenz und die übrigen Räume in ein Hotel umgewandelt wurden.

Fliegerdenkmal

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Die portugiesische Luftfahrtgeschichte wurde durch den ersten Flug von Portugal nach Macau von Sarmento Beires, Brito Pais und Manuel Gouveia geprägt. Zur Ehrung der Flieger und ihrer historischen Leistung errichtete man vor dem Eingang der Festung ein Denkmal, das an ihre heldenhafte Flugreise erinnert.

Map published in O Comercio do Porto showing the route of the Lisbon Macau Raid
Flugroute von Portugal nach Macau (1924)
Bildquelle: Wikimedia Commons

Ursprünglich war geplant in Amadora, im Großraum Lissabon, zu starten. Nachdem ein erster Startversuch von dort scheiterte, schlug Pais, der aus Odemira stammte, vor, in jener Region anzuheben, wo bessere und sichere Bedingungen für einen Start mit voller Ladung vorhanden waren. Am 4. April wurde das Flugzeug vollständig mit Treibstoff beladen und der Bischof von Beja taufte es auf den Namen Pátria. Drei Tage später, am 7. April 1924, starteten Pais und Beires in der Nähe von Vila Nova de Milfontes in östlicher Richtung, während Gouveia bereits nach Tunis mit dem Zug unterwegs war, um ab Kairvan weiter mitzufliegen.

Auf dem Flug von Karachi nach Agra ging ihr Flugzeug bei einer Notlandung infolge eines heftigen Sturms zu Bruch, ohne dass sie verletzt wurden. Jedoch waren sie nicht in der Lage es zu reparieren und gezwungen, ein Ersatzflugzeug zu kaufen. Da sie fortan Ersatzteile mitführen mussten, entschieden sie, dass Pais und Beires, wie anfangs, alleine weiterfliegen, während Gouveia endgültig die Rolle des Flugingenieurs übernahm und die Reise mit der Bahn fortsetzte. Am Ende jeder der folgenden Etappen kam er dazu, um die erforderlichen Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen.

Schließlich überflog das komplette Trio mit Müh und Not Macau, die am weitesten entfernte Kolonie Portugals. Da sie aufgrund eines heftigen Gewitters dort nicht landen konnten, mussten sie ihren Flug im britischen Hongkong beenden und brachen bei der Landung das Fahrwerk und den Propeller. Nach einer reinen Flugzeit von 4 Tagen, 21 Stunden und 41 Minuten für 16.760 km war damit ihr Flug am 20. Juni 1924 nach 75 Tagen endgültig beendet.

Die drei Piloten waren noch wahre Patrioten. Ihr Projekt finanzierten sie weitgehend selbst mit Unterstützung privater Sponsoren und begrenzter Beteiligung des portugiesischen Staates. Ihren Flugzeugen gaben sie den Namen Pátria I bzw. II [deutsch: Vaterland] und versahen sie auf beiden Seiten des Rumpfes mit der Zeile Esta é a ditosa pátria minha amada [deutsch: Dies ist mein geliebtes Vaterland], einer Zeile aus den Luisaden, einem portugiesischen Nationalepos im homerischen Stil über die Entdeckung eines Seewegs nach Indien durch Vasco da Gama. Luís Vaz de Camões, der größte Dichter Portugals und der portugiesischen Sprache, hatte es in den 1560er Jahren während seines Exils in Macau verfasst.

Die kriegerischen, kühnen Heldenscharen,
Vom Weststrand Lusitaniens [Portugal] ausgesandt,
Die auf den Meeren, nie zuvor befahren,
Sogar passierten Taprobanas [Sri Lanka] Strand,
Die mehr erprobt in Kriegen und Gefahren,
Als man der Menschenkraft hat zuerkannt,
Und unter fernem Volk errichtet haben
Ein neues Reich, dem so viel Glanz sie gaben;

aus: Die Luisaden, Erster Gesang, Strophe 1 [Anmerkungen: Rolf Krane]

Praia da Franquia am Rio Mira

Die Strände an der Mündung des Rio Mira sind vor den großen Atlantikwellen geschützt, was sie insbesondere für Kinder zu einem idealen Ort zum Baden macht. Unmittelbar in Ortsnähe liegt der Praia da Franquia.

Das Schiffswrack der Klemens

Geht man vom Haupteingang des Blue Bamboo Hotel die Rua dos Carris weiter Richtung Fluss, entdeckt man auf der Rückseite des Hotels eine bemalte Wand, auf der im Vordergrund ein Seemann und im Hintergrund ein Schiffswrack zu sehen sind. Unten links im Bild findet man einen Namen: Jorge Charrua. So heißt der portugiesische Street-Art-Künstler, der das Wandbild im August 2019 geschaffen hat, und auf seiner Instagram-Seite erfährt man, was ihn dazu inspirierte:

Bei den Recherchen zu diesem Wandbild stieß ich auf Aufzeichnungen über ein holländisches Schiff namens Klemens, von dem man seit 20 Jahren nicht weiß, woher es kam, wer sein Kapitän war und warum es an der Küste von Vila Nova De Milfontes strandete. Im Laufe der Zeit wurde das Schiff zu einem Wahrzeichen von Milfontes, verschwand aber nach und nach, da das Metall vom Meer zerfressen wurde. Dieses Wandbild soll an das Schiff und sein Geheimnis erinnern.

Jorge Charrua: Instagramm-Post vom 25. August 2019 [Übersetzung (engl.): Rolf Krane mithilfe von DeepL.com (kostenlose Version)]

Die Überreste der Klemens findet man auf dem „Praia do Patacho“ ca.750 m nördlich der Mündung. Sie sind vom Fischerpfad aus zu sehen.

Mehr dazu erfährt man in einem Artikel von Andre-Oliver Bonsch: Das Schiffswrack „Klemens“ von Vila Nova de Milfontes aus dem Jahr 2018 im Portugal-Blog portugalismo.de (Abgerufen: 27. Mai 2024, 20:47 UTC) .

Das Schiffswrack der Klemens (2018)

In der heutigen Welt übernehmen wir oft die Vorstellung, dass wir, um erfolgreich zu sein, unentwegt vorwärts kommen müssen. Es ist jedoch wichtig zu erkennen, dass es auf der Reise des Lebens eher darum geht, ein eigenes Tempo zu finden, als kopfüber zu eilen. Die zugrundeliegende Botschaft ist, jedem die Freiheit zu geben, sein eigenes Tempo zu finden. Jede noch so kleine Bewegung ist wichtig. Solange es Bewegung gibt, gibt es auch Leben. Diese Sichtweise ermutigt uns zu verstehen, dass es beim Fortschritt nicht nur darum geht, auf ein Ziel zuzusteuern, sondern auch darum, die Reise selbst zu genießen. Sie ermutigt uns, den Wert der kleinen Schritte zu erkennen, und fordert uns auf, unseren eigenen Rhythmus in der Sinfonie des Lebens zu finden.

Jorge Charrua, zitiert aus: Barbara Picci: Streetart – Jorge Charrua @ Assen, Netherlands. 30. November 2023. [Übersetzung: Rolf Krane mithilfe von DeepL.com (kostenlose Version)]

Der Ort Vila Nova de Milfontes

Casa do Adro

Das Casa Do Adro da Igreja [deutsch: Haus am Kirchhof] stammt aus dem 17. Jahrhundert und befindet sich im historischen Zentrum von Vila Nova de Milfontes, in unmittelbarer Nähe der Igreja de Nossa Senhora da Graça [deutsch: Kirche Unserer Lieben Frau von der Gnade]. Als es gebaut wurde, gab es nur sechs Häuser in Milfontes. Seinerzeit wurde das Gebäude als Familienhaus errichtet, in dem stets mehrere Generationen zusammen lebten.

Idália José, die heutige Eigentümerin, stammt aus der Familie des Hauses. Im Jahr 2000 ließ sie es mit Unterstützung ihres Ehemannes in ein Gästehaus umbauen, das heute sieben Zimmer mit eigenem Bad anbieten kann. Ihre Gäste werden von ihr als Teil der Familie betrachtet. Traditionsgemäß werden sie mit einem köstlichen Stück Schokoladenkuchen und einem Glas frischgepressten Orangensaft von ihr persönlich empfangen. Mehr dazu in einem Artikel von Daniela Nowak: Mit Liebe zum Detail.

Das Angebot des Gästehauses richtet sich an Paare, Familien mit kleinen oder erwachsenen Kindern, an Portugiesen und Ausländer. Sie können dort zur Ruhe kommen, spazieren gehen, den nur 100 Meter weit entfernten Strand genießen, etwas über die Kultur der Region lernen oder sich einfach nur erholen. Reservieren kann man direkt über die Homepage des Gästehauses.

Tasca da Celso

Einen Tisch in der Tasca da Celso [deutsch: Taverne von Celso] reserviert man am besten eine Woche im Voraus, denn sie ist eine kulinarische Institution an der Küste des Alentejo und ihr Besitzer, José Ramos Cardoso – sein richtiger Name ist nicht Celso – ist eine Persönlichkeit. Es ist eines der Restaurants, das man mindestens einmal im Leben probiert haben muss. Das Konzept ist einfach und effektiv: hochwertige Speisen, eine umfangreiche Weinauswahl, ein erstklassiger Service und eine inspirierende Atmosphäre.

Der Erfolg des Restaurant ist begründet in der Beständigkeit seiner Speisekarte, die den Gästen seit der Eröffnung 1999 frischen Fisch des Tages garantiert. Die Zubereitung erfolgt unter Verwendung lokaler Aromen und Geschmacksrichtungen, wie es die Tradition vorschreibt. Aber ein Hauch von Respektlosigkeit des Eigentümers sorgt immer wieder für kulinarische Überraschungen.