Hydra, eine Insel für Träumer

Letzte Änderung 11. März 2025

Die Insel Hydra

Die Insel Hydra liegt etwa 65 km südwestlich von Athen im Saronischen Golf. Im Laufe ihrer Geschichte hat sich die Insel mehrfach gewandelt.

Hydra – Weißes Eiland (BR 1966)

Schiffsbau

Ihre Blütezeit erlebte die Insel Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, als sie für ihren Schiffbau berühmt war, dem jedoch der gesamte Baumbestand der Insel zum Opfer fiel. Während des Unabhängigkeitskrieg vom Osmanischen Reich (1821-1832) wurde Hydra zu einem wichtigen Stützpunkt der griechischen Seemacht. Der Hafen mit seinen Zwillingsfestungen und zahlreichen Kanonen beherbergte und schützte die Flotte.

Doch die Unabhängigkeit Griechenlands hatte für Hydra einen hohen Preis. Viele der Handelsschiffe, die vom Militär genutzt wurden, gingen in den Kämpfen verloren. Nach der Gründung des griechischen Staates verlor die Insel durch die Revolution der Dampfschiffe auch ihre maritime Position an neue Reedereien in Piräus, Patras und Syros.

Schwammtauchen

Hydra suchte ihr Heil wieder im Meer. Das Schwammtauchen und der damit verbundene Handel wurden zur Haupteinnahmequelle. Rücksichtslose Ausbeutung und Krankheiten, die durch die Erwärmung und Verschmutzung des Mittelmeers hervorgerufen wurden, reduzierten die Bestände und führten seit Mitte des 20. zu einem Niedergang des Schwammtauchens als Lebensgrundlage der Insel. Seit der Erfindung synthetischer Schwämme im Jahr 1952 gab es zudem preiswertere Alternativen. So ereilte Hydra das gleiche Schicksal wie die Insel Symi.

Träumer

Der Film Der Junge auf dem Delphin, der in dieser Zeit spielt, erweckte die Insel zu neuem Leben. Schriftsteller, Maler und Musiker fühlten sich durch den Film und das Buch Der Koloß von Maroussi: Eine Reise nach Griechenland von Henry Miller, der Hydra bereits 1939 besucht hatte, angezogen von der verträumten Insel ohne Autoverkehr mit ihrer malerischen Hafenstadt, die seit Miller häufig mit einem Amphitheater verglichen wird.

»Die Stadt, die in Form eines Amphitheaters um den Hafen ansteigt, ist makellos. Es gibt nur zwei Farben. Blau und Weiß, und das Weiß wird jeden Tag bis zum Straßenpflaster frisch getüncht.«

Henry Miller, in: Der Koloß von Maroussi, 1941

Von 1960 bis 1967 lebte Leonard Cohen dort in einer Künstlerkolonie aus Schriftstellern, wie: Axel Jensen, Göran Tunström,George Henry Johnston und Charmian Clift. Fotografiert wurden sie von James Burke, einem amerikanischen Fotojournalisten, der ihr Zusammenleben in Schwarz-Weiß-Bildern dokumentierte.

Die achtteilige Dramaserie „So Long, Marianne“ in der ARD-Mediathek erzählt auf eindrucksvolle Weise die Geschichte der legendären Liebe zwischen dem kanadischen Sänger und Dichter Leonard Cohen und der Norwegerin Marianne Ihlen.

Bis heute ist die autofreie Insel, die man von Piräus in 90 Minuten mit dem Tragflügelboot erreicht, ein Treffpunkt für Künstler geblieben. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich zu einer regelrechten Kunsthochburg entwickelt. Manche bezeichnen sie heute gar als das St. Tropez der Ägäis.

David Gilmour hatte sich während der Corona-Pandemie mit seiner Großfamilie von seinem Anwesen in Sussex (Süd-England) zum Schutz vor der Pandemie auf Hydra zurückgezogen. Seine Ehefrau Polly Samson, eine Schriftstellerin, hatte über die Künstlerkolonie in den 1960er Jahren geforscht. Über ihre Ergebnisse schreibt sie in einem Artikel des Guardian: Bohemian tragedy: Leonard Cohen and the curse of Hydra. Darauf basierend verfasste sie ihren Roman: Sommer der Träumer (Originaltitel: A Theatre for Dreamers, 2020).

Polly Samson über ihr Buch
„A Theatre For Dreamers“

»Wenn Sie einmal auf Hydra gelebt haben, können Sie nirgendwo anders mehr leben, auch nicht auf Hydra.«

Kenneth Koch (zitiert in: The Guardian, Übersetzung: Rolf Krane)

Touristen

Die Idylle Hydras und ihre Geschichte machen Lust auf eine Reise dorthin, solange es noch möglich ist. In der Antike war sie, wie ihr griechischer Name Ydra [griechisch:δωρ (hýdōr); deutsch: Wasser] es ausdrückt, eine fruchtbare und wasserreiche Insel. Heute hat sie keine eigenen Wasserreserven mehr, eine Folge der Abholzung in der Vergangenheit. Bis 2014 kam das Trinkwasser jeden Tag per Schiff vom Festland. Seitdem gibt es eine Meerwasser-Entsalzungsanlage. Fällt der Strom aus, wie 2018 geschehen, gibt es auch kein Wasser mehr.

»Griechenland braucht keine Archäologen – es braucht Forstmeister. Ein grünes Griechenland könnte einer Welt, die jetzt vom Rost zerfressen wird, wieder Hoffnung verleihen.«

Henry Miller, in: Der Koloß von Maroussi, 1941

Der Knabe auf dem Delphin

Im Spielfilm Der Knabe auf dem Delphin aus dem Jahr 1959 entdeckt Sophia Loren in der Rolle der Schwammtsucherin Phaedra aus Hydra, unter Wasser die Steinstatue eines Delphins, auf dem ein Knabe aus Gold reitet. Sie reist nach Athen, um sie an einen reichen ausländischen Sammler zu verkaufen und lernt dabei den amerikanischen Archäologen Dr. James Calder (Alan Ladd) kennen, der die Statue für Griechenlands Museen erhalten möchte.

Der Knabe auf dem Delphin (Jean Negulesco, 1957)
Deutscher Trailer
Der Knabe auf dem Delphin (1957)
Kompletter Film in deutscher Sprache

[Beitragsbild: Wikimedia Commons. Fotograf: dronepicr. 16 Juli 2018, 19:16. Lizenz: Creative Commons Attribution 2.0 Generic]