Jahnplatztunnel Bielefeld

Letzte Änderung 3. März 2024

Der Jahnplatz im Bielefelder Zentrum ist neben dem Hauptbahnhof der wichtigste Knotenpunkt des öffentlichen Personennahverkehrs in Bielefeld. Er trennt die Fußgängerzone der Altstadt von der Einkaufszone in der Bahnhofstraße.

Die Geschichte des Jahnplatztunnels

Benannt wurde er 1861 nach Turnvater Jahn. Im zweiten Weltkrieg wurde er weitgehend zerstört und eine dort 1883 aufgestellte Jahn-Büste ging verloren.

1956 begannen im Zuge einer Neugestaltung des Jahnplatzes die Bauarbeiten für eine Fußgänger-Unterführung, die zunächst „Jahnplatzspinne“ in der Presse genannt wurde. Die Stadtplanung in jener Zeit war ausgerichtet auf den Autoverkehr im Sinne einer autogerechten Stadt. Der Platz gehörte den Autos und den Straßenbahnen, die Fußgänger mussten durch den Untergrund. Nach einer Bauzeit von 14 Monaten wurde der Jahnplatztunnel am 19. Juli 1957 eröffnet. Er hatte Durchgänge mit einer Gesamtlänge von 86 Metern und insgesamt 11 Ein- und Ausgänge. Als einer der ersten Fußgängertunnel Deutschlands fand er damals bundesweite Beachtung und galt als ein Vorbild moderner Verkehrsplanung.

Forum Jahnplatz

Bereits in den 1970er Jahren wurden die Wände des Tunnels mit Graffitis besprüht und der Durchgang in der Dunkelheit von der Allgemeinheit gemieden. Nach der Untertunnelung der Innenstadt für die Stadtbahn in den 1980er Jahren wurde die unterirdische Haltestelle Jahnplatz 1991 mit den Stationen Hauptbahnhof, Wittekindstraße und Nordpark gleichzeitig in Betrieb genommen. Der Jahnplatztunnel wurde umgebaut und als Forum Jahnplatz mit zusätzlichen Verkaufsflächen neu eröffnet.

Nachdem ein Großteil des Autoverkehrs seit 2012 über den Ostwestfalendamm umgeleitet und die Stadtbahn in den Untergrund verlegt worden war, konnten die Fußgänger seit 2020 den Jahnplatz wieder unter freiem Himmel über weitflächige Fußgängerüberwege überqueren.

Mit einer neuen Ausrichtung der Stadtplanung auf Fußgänger, Radfahrer und den öffentlichen Personennahverkehr verlor der Jahnplatztunnel an Bedeutung. Kaum jemand verlief sich noch nach dort unten.

Schließung des Jahnplatztunnels

Nach fast 66 Jahren wurde der letzte Laden im Jahnplatztunnel am 30. April 2023 geschlossen und die Stadt erklärte, ihn zu kaufen. Wieviel Geld sie den gegenwärtigen Eigentümern für die Ladenruinen im Untergrund zahlen muss, ist ebenso offen, wie eine zukünftige Nutzung und die damit verbundenen Kosten. Ideen gibt es genug. Zur Diskussion stehen u.a. ein unterirdisches Fahrrad-Parkhaus, ein kühler Hitzeschutzort oder ein Jugend- und Kulturtreff mit Proberäumen für lokale Bands.

Mahnmal für eine gescheiterte Stadtplanung

Bevor die Zugänge zum Tunnel verschlossen werden und er danach möglicherweise zugeschüttet wird, bietet sich der Jahnplatztunnel als verlorener Ort [engl.: lost place] zum Fotografieren an.

Betrachten wir ihn also als ein Mahnmal für eine gescheiterte Stadtplanung, die Fußgänger aus dem Weg räumte und in den Untergrund verbannte.