Die Politiker von morgen

Joah, was machen wir noch…?

Armin Laschet
Die Arbeiter von morgen
Die Krieger von morgen

Ist die Erde noch zu retten?

Das Frühjahr war ungewöhnlich kühl und feucht. Nun kommt die erste Hitzewelle des Wahljahres 2021 auf uns zu. Zur gleichen Zeit sinken die Corona-Inzidenzen. Wird damit auch der unaufhaltsame Klimawandel wieder ins Bewusstsein zurückkehren? Wie antwortet die Klimawissenschaft heute auf die Frage: Ist die Erde noch zu retten?

Richard David Precht im Gespräch mit Prof. Hans Joachim Schellnhuber (18. Mai 2021)

Land in Sicht

Ton Steine ScherbenLand in Sicht

1974 entfloh die Band Ton Stein Scherben mit ihrem kongenialen Sänger und Songschreiber Rio Reiser aus Berlin und zog um auf einen Bauernhof in Fresenhagen (Ostfriesland). Einerseits entzogen sie sich damit dem Erwartungsdruck, (umsonst) auf politischen Veranstaltungen in Berlin aufzutreten, andererseits begriffen sie sich als Teil einer neuen alternativen Bewegung, die ihre Zukunft in einem Leben auf dem Lande sah. Das war zwar für die damalige Zeit visionär, aber scheiterte oft an den beschränkten Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Städte. Wer nicht gerade Landwirt oder Handwerker war oder werden wollte, für den gab es auf dem Lande wenig zu verdienen.

Die fortschreitende Digitalisierung wird diese Einschränkung aufheben, wo immer ein schnelles Internet verfügbar ist. Schon jetzt kann man beobachten, dass sich immer mehr junge Familien und Startups im Umfeld der Großstädte ansiedeln. Der Wohnraum in den Zentren ist für sie unerschwinglich geworden (vgl. Business Insider, 2. Februar 2020). Und wer nur einige Tage auf einem Bauernhof abseits der Städte zu Besuch war, weiß die Lebensqualität dort zu schätzen: die frische Luft, die heilsame Ruhe, die Weite auf dem flachen Land und die dunkle Nacht mit ihrem strahlenden Sternenhimmel.

Gerald Swarat, Historiker, Germanist und Co-Autor des Buches Smartes Land – von der Smart City zur Digitalen Region propagiert das Thema Digitale Dörfer. Mit seiner Familie lebt er in Spandau, nicht gerade ein Dorf auf dem Lande, aber immerhin ein kleinstädtischer Berliner Bezirk am westlichen Rande der Metropole. In einem Podcast der Reihe Der Achte Tag mit dem Titel Die Zukunft wird in den Dörfern gemacht (12. 2. 2021) spricht er über seine Erfahrungen und Visionen zu diesem Thema.

Nomadland

Nomadland – Trailer
(ab 18. März 2021 in Deutschland)

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenbruch einer Firmenstadt im ländlichen Nevada packt Fern (Frances McDormand) ihren Van und macht sich auf den Weg, um als moderne Nomadin ein Leben außerhalb der konventionellen Gesellschaft zu erkunden. Der dritte Spielfilm Nomadland von Regisseurin Chloé Zhao zeigt die echten Nomaden Linda May, Swankie und Bob Wells als Ferns Mentoren und Mitstreiter auf ihrer Erkundungstour durch die weite Landschaft des amerikanischen Westens.

Vorlage für den Film war das Buch Nomaden der Arbeit: Überleben in den USA im 21. Jahrhundert (engl. Originaltitel: Nomadland: Surviving America in the Twenty-First Century) von Jessica Bruder.

In einem ausführlichen Interview (19 Min.) anlässlich des Toronto International Film Festival 2020 berichten die Regisseurin Chloé Zhao und die Hauptdarstellerin Frances McDormand, die 2018 einen Oskar als beste Hauptdarstellerin für ihre Rolle im Film Three Billboards Outside Ebbing, Missouri erhielt, über die Entstehungsgeschichte und die Dreharbeiten des Films.

Interview mit
Chloé Zhao und Frances McDormand
(12.09.2020 nach der Premiere beim
Toronto International Film Festival)

In einem Interview mit der FAZ sagt die Regisseurin Chloé Zhao über die Bedeutung der Natur in ihrem Film:

„Die Landschaften sind Teil des Heilungsprozesses, den die Hauptfigur Fern durchlebt, sie findet durch die Natur ihren Platz im Leben. In einem Van ist man seiner Umwelt ziemlich intensiv ausgesetzt! Daher ist die Natur so eng mit der Identität der Nomaden verknüpft. Wir Stadtmenschen haben durch die Betonwüsten den Zugang zur Natur verloren. Ich bin überzeugt, dass die Natur eine heilende Kraft hat, musste das aber auch erst lernen. Heute bin ich süchtig nach Natur, das findet auch einen Ausdruck in meinen Filmen. Wir haben oft gesagt, dass die wichtigste Schauspielerin am Set für uns die Sonne war. Wir nannten sie „Gottes Licht“ und taten alles, um den Sonnenuntergang abends so schön wie möglich mit der Kamera einzufangen.“

Auf meinen Reisen durch die USA sind mir immer wieder Menschen begegnet, die wie Fern ihren festen Wohnsitz aufgegeben haben und als Nomaden durch das Land ziehen.

Während einer Wohnmobil-Reise mit meiner Familie durch Nordkalifornien im Jahr 1997 traf ich im Waschhaus eines RV-Parks erstmals einen Senior, der mit seiner Ehefrau ein Nomadenleben führte. Später am Abend saßen wir zusammen an einem Feuerplatz und sie erzählten, dass sie ihr Haus nach der Pensionierung verkauft hätten. Sie besäßen eine Segeljacht in Baja California, worauf sie im Winter lebten und die Bucht von Kalifornien durchkreuzten, sowie ein komfortables RV, womit sie sich im Sommer auf den Weg nach Norden machten. Ihre Kinder lebten verstreut in den USA, die sie regelmäßig und zu besonderen Anlässen mit ihrem fahrbaren Heim besuchten. Sie berichteten von jährlich großen Treffen, wo sie sich regelmäßig mit Gleichgesinnten träfen.

Auf meiner Pilgerreise an der Westküste der USA im Jahr 2013, über die ich in meinem Buch Der Reisende Rahmen berichte, habe ich auf dem Nesika Beach RV Park in Süd-Oregon drei moderne Nomaden mit ganz unterschiedlichen Motiven kennengelernt (siehe Kapitel: Die Schurken vom Rogue River S. 144-147).

Mittlerweile leben etwa eine Million Amerikaner in einem RV. Seit der Finanz- und Immobilienkrise im Jahr 2008 ist der Anteil derjenigen immer grösser geworden, die aus existientieller Not ein Nomadenleben führen. Dazu zählen auch viele Senioren, die entweder ihre Häuser oder Pensionen verloren haben, die in den USA über Aktionfonds finanziert werden. Sie ziehen als saisonale Wanderarbeiter durch das Land und werden auf Parkplätzen der Unternehmen geduldet, für die sie arbeiten. Wie das Leben dieser Menschen aufgrund der Pandemie zum Stillstand gekommen ist, beschreibt die amerikanische Schriftstellerin Laura Guidry, die zuvor im Sozialwesen gearbeitet hat und nun als Nomadin in ihrem Airstream lebt, in einem Artikel auf vox.com. Man kann davon ausgehen, dass durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie noch mehr Menschen in ein Nomadenleben gedrängt werden.