Alle Beiträge von Rolf Krane

Heilung

Heilung – Norupo
(Les Menhirs de Monteneuf – Frankreich)

A/ᚠ Fe
Reichtum ist eine Quelle der Zwietracht unter den Angehörigen;
der Wolf lebt im Wald.
B/ᚢ Ur
Schlacke kommt von schlechtem Eisen;
die Rentiere rennen oft über den gefrorenen Schnee.
C/ᚦ Thurs
Riese verursacht den Frauen Qualen;
Unglück macht wenige Männer fröhlich.
D/ᚬ As
Die Flussmündung ist der Weg der meisten Reisen;
aber eine Scheide umfasst Schwerter.
E/_ᚱ Reidh
Reiten gilt als das Schlimmste für Pferde;
Reginn schmiedete das feinste Schwert.
F/ᚴ Kaun
Geschwüre sind für Kinder tödlich;
der Tod macht einen Leichnam blass.
G/ᚼ Hagall
Hagel ist das kälteste Getreide;
Christus schuf die Welt von einst.
H/ᚾ Naudhr
Zwang lässt kaum eine Wahl;
ein nackter Mann wird durch den Frost gekühlt.
I/_ᛁ Isa
Eis nennen wir die breite Brücke;
der Blinde muss geführt werden.
J/ᛅ Ar
Vieles ist ein Segen für die Menschen;
Ich sage, dass Frodi großzügig war.
K/ᛋ Sol
Die Sonne ist das Licht der Welt;
Ich verneige mich vor dem göttlichen Erlass.
K/ᛏ Tyr
Tyr ist ein einhändiger Gott;
hat oft den Schmied verletzt.
L/ᛒ Bjarkan
Die Birke hat von allen Sträuchern die grünsten Blätter;
Loki hatte Glück mit seinem Betrug.
M/ᛘ Madhr
Der Mensch ist eine Vergrößerung des Staubes;
groß ist die Klaue des Falken.
N/ᛚ Logr
Ein Wasserfall ist ein Fluss, der von einem Berghang fällt;
aber die Verzierungen sind aus Gold.
O/ᛦ Yr
Die Eibe ist im Winter der grünste aller Bäume;
Sie knistert leicht, wenn sie brennt.

(Text © Christopher Juul, Kai Uwe Faust, Maria Franz –
Übersetzung aus dem Englischen: www.DeepL.com/Translator)

Norupo basiert auf einem Gedicht, das als norwegisches Runengedicht bekannt ist. Es blieb in einer Kopie aus dem 17. Jahrhundert eines heute verlorenen Manuskripts aus dem 13.Jahrhundert erhalten und enthält eine vollständige Beschreibung aller sechzehn Runen des jüngeren Futhark.

Die Runen des jüngeren Futhark
Wikimedia Commons)

Auf das Futhark bezieht sich das aktuelle Album von Heilung mit dem Titel Futha, aus dem der Titel Norup 2020 als Single ausgekoppelt wurde. Nachdem Ihr Debüt-Album Ofnir aus dem Jahr 2015 und Ihr Live-Album LIFA (Castlefest 2017) die männliche Seite der Band zum Ausdruck brachte, kommt in ihrem neuen Album Futha die weibliche Seite zum Tragen, die Leben spendende, aber auch wilde, weiblich Urkraft und ihre innewohnende Magie. So dominieren nun auf Futha die weiblichen Stimmen.

Typisch für die männliche Seite der Band ist der Titel Hakkerskaldyr, im Video live auf dem Castlefest 2017, ein Kriegsgesang und Tanz, vergleichbar mit einem Haka, dem rituellern (Kriegs-)Tanz der Māori

Heilung – Hakkerskaldyr  (Schildformation)
(LIFA, live auf dem Castlefest 2017)

He! Ihr Männer!
Hört unsere Stimmen!
Hört uns jetzt zu:
In Euren Händen ist der Tod
Euer Volk werden wir abschlachten
Und keine Gnade wird gewährt
Furchtlos sind wir
Der Tod bringt uns zum Lachen
Krieg ist, was wir wollen
Ihr sterbt!
In dieser Schlacht werdet Ihr sterben.

(Text © Christopher Juul, Kai Uwe Faust –
Übertragung aus dem Englischen: Rolf Krane)

In einem Interview mit dem Magazin Revolver spricht Kai Uwe Faust, der Sänger mit dem tiefen Kehlgesang, über das Bestreben der Band, die alten Götter am Leben zu erhalten, und sagt:
„Wir versuchen, uns in die Köpfe der Menschen von vor 2.000 Jahren zu versetzen. Wir machen Rhythmen auf Knochen, Schädeln, Waffen.“

In den Untertexten zu ihren Youtube-Videos schreibt die Band Heilung:
„Heilung ist Geschichtsverdichtung (facebook: Amplified History) aus dem frühmittelalterlichen Nordeuropa und sollte nicht mit einer modernen politischen oder religiösen Aussage irgendwelcher Art verwechselt werden.“

»Denk daran, dass wir alle Brüder sind, alle Menschen, Tiere, Bäume und Steine und der Wind. Wir alle stammen von dem einen großen Wesen ab. Das war immer da, bevor wir Menschen lebten und ihnen einen Namen gaben, bevor der erste Samen aufgegangen ist«

Heilung (in: Youtube) (Übersetzung: Rolf Krane)

Seit einigen Jahren haben Heilung und Gruppen wie Skáld (Rún – Runen) und Wardruna (Lyfjaberg – Heilender Berg) ein Millionenpublikum. Offenbar wecken sie in ihrer jungen Hörerschaft eine tiefe Sehnsucht nach Heilung durch eine Wiederbelebung der Wurzeln unserer nordeuropäischen Kultur.

Die Zeit ist gekommen, uns mit den positiven und heilenden Kräften unserer Ahnen zu verbinden. Nur mit ihrer Unterstützung wird es uns gelingen, einen Weg aus der globalen Krise zu finden. Im Kampf für eine Zukunft unserer Kindern und Enkel können wir nur erfolgreich sein, wenn wir uns ganz einbringen, mit Körper und Seele, mit Herz und Verstand.

»Lookin‘ for a Leader«

Neil Young – Lookin‘ for a Leader (2020)

Wir suchen einen Anführer (2020)

Anführer gibt es unter uns
Und ich hoffe, sie hören unseren Ruf.
Vielleicht ist es nach alledem
Eine Frau oder ein Schwarzer.
Wir suchen einen Anführer
Um unser Land nach Hause zu bringen,
Rot-Weiße und Blaue wieder zu einen,
Bevor es ganz versteinert.

Wir suchen einen Anführer
Mit der Kraft, es anzupacken,
Der uns sicher zusammenhält
Und unser Land stark macht.
Er läuft schon mitten unter uns,
jemand, der uns in die Zukunft führt,
In einen Regenbogen aus Farben,
In einer kaputten, schiefen Welt

Ja, wir hatten Barack Obama
Und wir brauchen ihn jetzt sehr.
Der Mann, der hinter ihm stand,
Muss ihn irgendwie ersetzen.
Amerika hat einen Führer
Der Mauern baut um unser Haus.
Der nicht weiß, dass schwarze Leben wichtig sind.
Es ist Zeit, ihn abzuwählen!

Wir haben nun unsere Wahl.
Doch Korruption hat eine Chance.
Wir brauchen einen großen Sieg ,
Um erneut Vertrauen zu finden.
Amerika ist wunderschön
mit einer hässlichen Seite.
Wir suchen einen Anführer
In diesem weiten Land.

Genau wie sein großer neuer Zaun,
Wird dieser Präsident fallen.
Amerika bewegt sich vorwärts,
Das spürt man in jeder Stadt.
Aus Angst vor seinem eigenen Schatten
Baut er Mauern um unser Haus,
Versteckt sich in seinem Bunker
Und lügt weiter irgendwas.

Wir brauchen keinen Führer
Der Mauern um unser Haus baut,
Der nicht weiß, dass schwarze Leben wichtig sind.
Es ist Zeit, ihn abzuwählen!
Wir suchen einen Anführer
Mit dem großen Geist auf seiner Seite.
Suchen nach einem Anführer
In diesem weiten Land.
Suchen nach einem Anführer
Mit dem großen Geist auf seiner Seite.

Lyrics © Neil Young
(Übersetzung: Rolf Krane )

Déjà-Vu

Ein Kellner kommt an meinen Tisch, um die Bestellung aufzunehmen. Meine Augen wandern an ihm hoch bis in sein Gesicht und überqueren seinen Mund-Nasen-Schutz. Der rote Teppich, der seinen Mund verdeckt, führt mich direkt zu seiner Nase, die ich unwillkürlich anstarren muss. Dabei ist sie nicht ungewöhnlich, weder besonders groß noch auffallend geformt. Dennoch bleiben meine Augen daran hängen. Bis zu seinen Augen kommen sie nicht mehr.

In den vergangenen Wochen habe ich die Nase als Mittelpunkt des Gesichtes neu entdeckt. Gewöhnlich schaue ich meinem Gegenüber in die Augen, manchmal auch auf den Mund, wenn es zu laut ist. Dann versuche ich seine Lippen zu lesen. Wird die Sicht darauf verwehrt, hilft die unbedeckte Nase nicht weiter. Mit dem Lesen der Nasenflügel war ich bisher nicht erfolgreich. Ohne einen Mund-Nasen-Schutz ist die Nase nur ein Orientierungspunkt im Gesicht. Darüber die Augen. Darunter der Mund. Auf einer weißen Leinwand aber wird die freigelegte Nase zum Zentrum des Gesichtes, die Blicke automatisch anzieht.

Bald darauf kommt eine Bedienung an meinen Tisch, ebenfalls oben ohne. Sie beugt sich über den Erdbeerbecher und stellt ihn vor mir ab. Mit Genuss verspeise ich Eis und Erdbeeren. Ich verdränge jeden Gedanken an tropfende Nasen, kalte Schlachthöfe und Erntehelfer aus Osteuropa.

Kondome schützen vor HIV und senken das Risiko einer Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten. Würden Sie einem Gummi die Spitze abschneiden, bevor sie ihn benutzen?

Condomi Museum Scherzkondome
Foto: © Johann Werfring (Wikimedia Commons)

Auf dem Weg nach Hause habe ich ein Déjà-vu. Ich durchquere eine verkehrsberuhigte Siedlung und begegne einem Vater mit drei Kindern, die auf der Straße Federball spielen. Sie sprechen italienisch. Als ich sie das letzte Mal dort antraf, wurden einige Tage später die Grenzen geschlossen.

Text: © Rolf Krane

Spliff – Déjà vu (Live 1981)

„So schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte bis die Zeit vergeht.“

Herwig Mitteregger (aus dem Songtext von Déjà vu)

The Albatross has gone

Peter Green – Albatross (Splinter Group, Acoustic Set, England, 2003)

Peter Green, einer der größten Blues-Gitarristen aller Zeiten, ist heute im Alter von 73 Jahren in Bethnal Green, England, verstorben. Ruhe in Frieden, erhabener Seemann.

Mit dem Schlagzeuger Mick Fleetwood gründeten er 1967 in London die legendäre Band Fleetwood Mac. Das von Green komponierte Instrumentalstück Albatross erschien 1968 als Single und machte ihn und die Band bekannt. Es blieb ihr einziger Nummer-1 Hit der UK Singles Chart.

Andere bekannte Stücke von Peter Green sind Oh Well (1969) und Black Magic Woman (1968), das von Santana auf dem Album Abraxas (1970) neu interpretiert wurde.

From Lincoln to Trump

Ein sehr sehenswertes und gut gemachtes Video zur Parteiengeschichte in den USA von Lincoln bis Trump (in Englisch).

Anmerkung

GOP bzw. Grand Old Party („große alte Partei“) ist eine andere Bezeichnung für die Republikanische Partei (englisch: Republican Party bzw.  Republicans).

Schrei in Deinem Herzen

Als der Fuji-Q Highland Vergnügungspark bei Tokio nach dem Corona-Lockdown wieder seinen Betrieb aufnahm, appellierten die Betreiber an die Besucher, bei Achterbahnfahrten nicht zu schreien oder zu kreischen, um Tröpfcheninfektionen zu vermeiden. Daraufhin gab es einen Sturm von Protesten. Viele Besucher vertraten die Auffassung, dass es nicht möglich sei Achterbahn zu fahren, ohne zu schreien. Also setzten sich die Geschäftsführer, Daisuke Iwata und Koichiro Horiuchi, selbst in einen Wagen und ließen sich filmen, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Ihr Video endet mit der Aufforderung: „Schrei in Deinem Herzen!“

The Good, The Bad and The Ugly

The Ukulele Orchestra of Great Britain
The Good, the Bad and the Ugly

Der italienische Komponist, Dirigent und Oscarpreisträger Ennio Morricone starb im Alter von 91 Jahren am 6. Juli 2020 in Rom. Bekannt wurde er durch die Filmmusik zu den Italo-Western von Sergio Leone:

Schläft ein Lied in allen Dingen

Blick vom Philosophenweg
auf die Heidelberger Altsatdt

Im Philosophengärtchen, einem kleinen Park am Philosophenweg oberhalb des Neckars, befindet sich ein Gedenkstein zu Ehren des romantischen Schriftstellers und Lyrikers Joseph von Eichendorff (1788-1857), der von 1807 bis 1808 Rechtswissenschaft, Philosophie und Literatur in Heidelberg studierte.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Im unteren Teil der Stele ist ein Gedicht aus dem Jahr 1835 in den Stein gemeißelt. Mit seinem Erscheinen 1838 im Deutschen Musenalmanach erhielt es von Adelbert von Chamisso  den Titel Wünschelruthe. Eichendorffs Vierzeiler gilt heute als Quintessenz der Spätromantik.

Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff: Wünschelrute (1835)

Jede Erscheinung der Natur hat eine Seele, die uns verborgen bleibt, solange wir nicht mit ihr in Resonanz gehen. Stimmen wir uns ein in ihren Klang, finden wir den passenden Ton oder das richtige Wort, schwingen wir mit ihr und werden mit ihr eins, so beginnt die Welt auf wunderbare Weise zu klingen und zu singen.

Die Romantik war eine Bewegung, die sich gegen den Rationalismus der Aufklärung stellte, die der Natur, den Tieren, Pflanzen, Gewässern, Gebirgen und Landschaften, eine Seele abgesprochen hatte. Mit der Entseelung der Natur war der Weg frei gemacht für ihre Ausbeutung, die Zerstörung der Landschaften durch den Raubbau von Bodenschätzen, die Ausbeutung und Verschmutzung der Flüsse und Meere, das Abtöten des Mutterbodens durch Kunstdünger und Pestizide, die damit einhergehende Vernichtung des Mikrobioms der Erde, das Artensterben, die Massentierhaltung, die Abholzung der Wälder und die Verschmutzung der Atmosphäre.

Wo wären wir heute, wenn wir jedem Berg, jedem Fluss, jedem Fisch, jedem Huhn, jedem Insekt und jedem Wurm ein Seele zugesprochen hätten? Wo wären wir heute, wenn wir ihre Lieder zum Klingen anstatt zum Schweigen gebracht hätten?

Oberhalb des Philosophengärtchens und unterhalb des Bismarckturmes ist Joseph von Eichendorff eine eigene Parkanlage gewidmet, in deren Zentrum eine Tafel errichtet ist.

In dieses Märchens Bann verzaubert stehen
Die Wandrer still. – Zieh weiter, wer da kann!
So hatten sie’s in Träumen wohl gesehen,
Und jeden blickt’s wie seine Heimat an,
Und keinem hat der Zauber noch gelogen,
Denn Heidelberg war’s, wo sie eingezogen.

aus: Joseph von Eichendorff: Robert und Guiscard (1855)