Die Gesetze der Physik

Kapitän Jan Fortun klärt auf
(Mein Schiff Flotte, TUI Cruises)

Auch wenn es der Wind war, der die Ever Given um den Anker tänzeln ließ und damit die Fantasien von Männern anregte, so war es doch die Ufersogwirkung (Bank Suction Effect), die das monströse Schiff im Suez-Kanal quergestellt hat. Wie das geschehen konnte, beschreibt der Artikel Was die „Ever Given“ wirklich quergelegt hat im Tagesspiegel vom 29. März 2021.

Eine Erklärung des Effektes
(bekannt seit 1934)

Die Gefahr einer Kollision mit dem Ufer wächst mit stärkeren Seitenwinden sowie mit höherer Geschwindigkeit, grösserer Seitenfläche und Massenträgheit des Schiffes.

Die einzig logische Konsequenz aus dieser Analyse ist, dass man Monsterschiffen wie der Ever Given verbieten müsste, den Suez-Kanal oder auch die Elbe zu befahren, wenn man die Wasserstraßen nicht durch eine Verbreiterung und Vertiefung des Flussbettes sicherer machen möchte.

Bank Suction Effect
Ufersogwirkung auf einen Badestrand

Strange Fruit

The United States vs. Billie Holiday
Lee Daniels, 2021
Trailer (Official)
In Deutschland ab dem 22. April 2021 

Es hieß „Vereinigte Staaten von Amerika gegen Billie Holiday“, schrieb die Jazzlegende Billie Holiday (1915-1959) in ihrer Autobiografie Lady sings the Blues aus dem Jahr 1956, „und so fühlte es sich an.“ Der Film The United States vs. Billie Holiday spielt hauptsächlich in den 1940er Jahren und erzählt die Geschichte von Holidays Leben und Karriere nach ihrer ersten Vorstellung des Liedes Strange Fruit 1939 im Café Society in New York. Als sie 1947 wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einem Jahr und einem Tag verurteilt wurde, war das nur ein Kapitel einer anhaltenden Kampagne gegen die Sängerin, deren Aufführungen des Liedes zu einem Blitzableiter für Bürgerrechtsbewusstsein und Aktivismus geworden waren. Und so bietet der Film auch einen weiteren Blickwinkel auf J. Edgar Hoover, den ersten Direktor des FBI (1935-1962), und Harry J. Anslinger, den ersten Leiter des Bundesamtes für Betäubungsmittel FBN (1930-1970), die einen Krieg gegen Drogen verkündeten und sich dabei vorwiegend auf das schwarze Amerika fokussierten.

Dabei war Holiday nicht einmal die erste Person, die Strange Fruit sang. Tatsächlich begann das Lied als Protestgedicht des jüdisch-amerikanischen Songwriters und Schriftstellers Abel Meeropol, der es bereits 1937 vertont hatte. 

Billie HolidayStrange Fruit (1959)
Die Südstaaten-Bäume tragen merkwürdige Früchte
Blut auf den Blättern und Blut an der Wurzel
Schwarzer Körper baumelt im Südstaaten-Wind
Merkwürdige Früchte hängen von den Pappeln

Idyllische Szene im prächtigen Süden
Die hervortretenden Augen und der verzogene Mund
Magnolienduft, süß und frisch
Und der plötzliche Geruch nach verbranntem Fleisch

Dies ist eine Frucht, um von den Krähen zerhackt zu werden
Auf der der Regen sich sammelt, an der der Wind rüttelt
Die in der Sonne verrottet, die vom Baume fällt
Dies ist eine merkwürdige und bittere Ernte

(Lyrics © 1939: Abel Meeropol, Übersetzung: Wikipedia: Strange Fruit)

Für ihre Darstellung der Billie Holiday im Film The United States vs. Billie Holiday erhielt die Soul- und R&B-Sängerin Andra Day 2021 bei den Golden Globe Awards eine Auszeichnung als beste Hauptdarstellerin und im Rahmen der Oscarverleihung eine Nominierung.

Andra Day – Rise Up
Kaitlyn Saunders, Skaterin
Black Lives Matter Plaza
Biden’s virtual inaugural parade
20.1.2021

»Wir werden uns erheben, und wir werden es tausendmal wieder tun, für euch.«

Andra Day, in: Rise Up

Ein Theater für Träumer

Der Knabe auf dem Delphin
(Deutscher Trailer)
mit Sophia Loren als Phaedra
Jean Negulesco
, 1957

Im Spielfilm Der Knabe auf dem Delphin aus dem Jahr 1959 entdeckt Phaedra (Sophia Loren), eine Schwammtaucherin aus Hydra, unter Wasser die Steinstatue eines Delphins, auf dem ein Knabe aus Gold reitet. Sie reist nach Athen, um sie an einen reichen ausländischen Sammler zu verkaufen und lernt dabei den amerikanischen Archäologen Dr. James Calder (Alan Ladd) kennen, der die Statue für Griechenlands Museen erhalten möchte.

Die Insel Hydra, der Hauptschauplatz des Films, liegt etwa 65 km südwestlich von Athen am Rande des Saronischen Golfs. Ihre glorreichen Tage hatte sie im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert erlebt, als sie berühmt für ihren Schiffsbau war, dem jedoch sämtliche Bäume der Insel zum Opfer fielen. Im Unabhängigkeitskrieg vom Osmanischen Reich  (1821–1832) entwickelte sich Hydra zu einem führenden Stützpunkt der griechischen Seemacht. Der Hafen mit seinen Zwillingsfestungen und vielen Kanonen beherbergte und schützte die Flotte. Doch die Unabhängigkeit Griechenlands hatte einen hohen Preis für Hydra. Viele ihrer Handelsschiffe, die vom Militär genutzt wurden, gingen durch die Kämpfe verloren. Nach der Schaffung des griechischen Staates verlor die Insel bedingt durch die Dampfschiffrevolution auch ihre maritime Position an neue Reedereien in Piräus, Patras und Syros. Hydra suchte erneut ihre Rettung im Meer. Das Schwammtauchen und der damit verbundene Handel wurden damals zu ihrer Haupteinnahmequelle. Ein rücksichtsloser Raubbau und Krankheiten, die durch den Erwärmung des Meeres verursacht sein könnten, reduzierten die Bestände und führten seit Mitte des 20. Jahrhunderts zu einem Ende des kommerziellen Schwammtauchens. Auch gab es seit der Erfindung synthetischer Schwämme im Jahr 1952 preisgünstigere Alternativen. Damit ereilte Hydra das gleiche Schicksal wie der Insel Symi.

Der Film Der Knabe auf dem Delphin spielt in jener Zeit und erweckte die Insel zu neuem Leben. Schriftsteller, Maler und Musiker fühlten sich durch den Film und das Buch Der Koloß von Maroussi: Eine Reise nach Griechenland von Henry Miller, der Hydra bereits 1939 besucht hatte, angezogen von der verträumten Insel ohne Autoverkehr mit ihrer malerischen Hafenstadt, die seit Miller häufig mit einem Amphitheater verglichen wird.

»Die Stadt, die in Form eines Amphitheaters um den Hafen ansteigt, ist makellos. Es gibt nur zwei Farben. Blau und Weiß, und das Weiß wird jeden Tag bis zum Straßenpflaster frisch getüncht.«

Henry Miller, in: Der Koloß von Maroussi, 1941

Von 1960 bis 1967 lebte Leonard Cohen dort in einer Künstlerkolonie aus Schriftstellern, wie Axel Jensen, Göran Tunström, George Henry Johnston und Charmian Clift. Fotografiert wurden sie von James Burke, einem amerikanischen Fotojournalisten, dessen Bilder aus jener Zeit man heute bei Getty Images anschauen und bestellen kann. Ebenso sehenswert ist eine Fernseh-Dokumentation des Bayrischen Rundfunks aus dem Jahr 1966 mit dem Titel Hydra – Weißes Eiland.

Bis heute ist die autofreie Insel, die man von Piräus in 90 Minuten mit dem Tragflügelboot erreicht, ein Treffpunkt für Künstler geblieben. In den vergangenen zehn Jahren hat sie sich zu einer regelrechten Kunsthochburg entwickelt. Manche bezeichnen sie heute gar als das St. Tropez der Ägäis.

David Gilmour (siehe auch: Beitrag Leuchte, du verrückter Diamant) hat sich im letzten Jahr mit seiner Großfamilie von seinem Anwesen in Sussex (Süd-England) zum Schutz vor der Pandemie dorthin zurückgezogen. Seine Ehefrau Polly Samson, eine Schriftstellerin, hatte über die Künstlerkolonie in den 1960er Jahren geforscht. Über ihre Ergebnisse schreibt sie in einen Artikel des Guardian: Bohemian tragedy: Leonard Cohen and the curse of Hydra. Darauf basierend verfasste sie ihren neuesten Roman: Sommer der Träumer (Originaltitel: A Theatre for Dreamers, 2020).

Polly Samson über ihr Buch
A Theatre For Dreamers

»Wenn Sie einmal auf Hydra gelebt haben, können Sie nirgendwo anders mehr leben, auch nicht auf Hydra.«

Kenneth Koch (zitiert in: The Guardian, Übersetzung: Rolf Krane)

Die Idylle Hydras und ihre Geschichte machen Lust auf eine Reise dorthin, solange es noch möglich ist. In der Antike war sie, wie ihr griechischer Name Ydra (von griechisch ὕδωρ [hýdōr]: Wasser) es ausdrückt, eine fruchtbare und wasserreiche Insel. Heute hat sie keine eigenen Wasserreserven mehr, eine Folge der Abholzung in der Vergangenheit. Bis 2014 kam das Trinkwasser jeden Tag per Schiff vom Festland. Seitdem gibt es eine Meerwasser-Entsalzungsanlage. Fällt der Strom aus, wie 2018 geschehen, gibt es auch kein Wasser mehr (vgl. griechenland.net).

»Griechenland braucht keine Archäologen – es braucht Forstmeister. Ein grünes Griechenland könnte einer Welt, die jetzt vom Rost zerfressen wird, wieder Hoffnung verleihen.«

Henry Miller, in: Der Koloß von Maroussi, 1941
Der Knabe auf dem Delphin (1957)
Kompletter Film in deutscher Sprache

Afro Blue

Melanie de Briasio – Afro Blue
Jazz in Marciac, August 2018

Mit ihrer sanften, bezaubernden und fesselnden Stimme verleiht Melanie De Biasio der Welt des Jazz einen neuen Hauch von Frische. Wer mehr von ihr hören möchte, dem seien die beiden letzten Alben Lilies (2017) und Blackened Cities (2016) empfehlen.

Mit Afro Blue spielt sie einen Jazzstandard, der von Mongo Santamaría 1959 als Instrumentalstück komponiert und mit dem Cal Tjader Sextett auf dem Monterey Jazz Festival 1959 uraufgeführt wurde. Man hört auf jener Aufnahme u.a. Mongo Santamaría (Congas), Willi Bobo (Drums) Cal Tjader (Vibrafon) und Paul Horn (Querflöte). Im gleichen Jahr veröffentlichte Abbey Lincoln eine erste Gesangs-Version auf ihrem Album Abbey is Blue. Den Text schrieb der Songwriter Oscar Brown. Das Stück wurde im Laufe der Jahre von vielen bekannten schwarzen Jazzmusikern interpretiert, u. a. von John Coltrane (Live 1963), Dee Dee Bridgewater (Studio 1974), Dianne Reeves (Live 1994), Lizz Wright (Live 2003), Erykah Badu (Studio 2012) und Esperanza Spalding (Live 2013).

Afro-Blau

Ich träume von einem Land
Aus dem meine Seele stammt
Höre wie eine Hand
Auf die Trommel schlägt

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

Eleganter Junge
Schönes Mädchen
Tanzen aus Freude
Wirbeln grazil

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

Zwei Liebende, Auge in Auge
In wogender Anmut
Wiegen sich, gleiten davon
An einen verborgenen Ort

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

Flüstern aus Bäumen
Widerhallen Seufzen
Bitten aus Leidenschaft
Antworten in Liebe

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

Liebende im Flug
Schweben hinauf
Explodieren im Gipfel
Sinken langsam hinab

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

Der Traum erscheint wirklich
Bis es mir klar wird
Dass es kein Traum ist
Die Zwei sind Du und ich

  Farben der Wonne
  Kakao getönt
  Reich wie die Nacht
  Afro-Blau

(© Original Lyrics 1959: Oscar Brown - Übersetzung: Rolf Krane)

Manpo-kei

Dr. med. Claudia Twerenbold klärt auf

Als 1964 die olympischen Sommerspiele in Tokio stattfanden, brachte die japanische Firma Yamasa einen Schrittzähler auf dem Markt. Sie nannten ihn Manpo-kei, was so viel heißt, wie 10000-Schritte-Zähler. Aus seiner Begrenzung, nur bis 10000 zählen zu können, machte die Firma eine Marketing-Kampagne. So behaupteten sie, dass es der Gesundheit dienlich sei, wenn man pro Tag 10000 Schritte gehe, ohne jedoch auf eine wissenschaftliche Studie zu verweisen.

Später veröffentliche wissenschaftliche Studien kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Zwei aus den Jahren 2011 und 2019 fanden heraus, dass bereits 7500 Schritte ausreichend sein sollen. Eine dritte aus dem Jahr 2004 favorisiert 15000 bis 18000 Schritte pro Tag (vgl. macwelt.de). Entscheidend für die gesundheitliche Wirkung sind nicht alleine die Anzahl der Schritte, sondern auch die Intensität, in der sie gelaufen werden.