Die Reise mit Charley

Nachdem John Steinbeck (* 27. 2. 1902 in Salinas, Kalifornien; † 20. 12. 1968 in New York City) einen zweiten Schlaganfall erlitten hat, macht er sich im September 1960 mit einem zum Wohnmobil umgerüsteten Kleinlaster auf eine dreimonatige Rundreise durch die USA, um das Land und seine Leute neu zu erkunden. Sein Wohnmobil nennt er Rocinante, so, wie das Pferd des ruhmvollen Ritters Don Quijote von La Mancha. Sein einziger Reisegefährte ist sein alter schwarzer Pudel Charley.

Steinbecks Rocinante (Foto: LordHarris)
befindet sich heute im
National Steinbeck Center
(Salinas, Kalifornien)

Steinbecks Reisebericht Travels with Charley (Die Reise mit Charley ) erschien 1962 und hat auch heute nicht an Aktualität verloren. Seinen pessimistischen Blick auf die amerikanischen Landsleute Anfang der 60er Jahre kann man nur als einen Weckruf an die Nation verstehen, wenn man an die gegenwärtige Situation in den USA denkt.

Beim Lesen hat man leicht den Eindruck, dass Steinbeck eine Reise beschreibt, die er tatsächlich so unternommen hat. Dabei handelt es sich um einen fiktiven Roman. Seine Beschreibung der auf der Reise erfahrenen Einsamkeit und Fremdheit, die von seinem Alter Ego, dem Pudel Charley, gespiegelt wird, verwendet Steinbeck als literarisches Stilmittel. Eine Recherche von Bill Steigerwald aus dem Jahr 2020 über die wirkliche Reise ergab ein anderes Bild. 

»Eine Reise ist eine Person in sich, keine gleicht der anderen. Und alle Pläne, Sicherungen, Kontrollen und Zwänge sind nutzlos. Nach Jahren des Kampfes stellen wir fest, dass wir eine Reise nicht unternehmen, sondern von ihr unternommen werden. […] Darin gleicht eine Reise der Ehe: Die sicherste Art zu scheitern ist zu meinen, man habe sie fest im Griff.«

John Steinbeck (aus: Die Reise mit Charley, S.8)

Steinbeck soll demnach insgesamt 75 Tage von New York fort gewesen sein. An etwa 45 Tagen war er mit seiner Frau Elaine unterwegs und wohnte mit ihr in den besten Hotels, Motels, Resorts, Häusern und auf der Farm eines Millionärs in Texas in der Nähe von Amarillo.

Reiseroute mit Charley, 1960

Steinbeck schreibt mit einem großartigen Humor. Verstörende Beobachtungen der amerikanischen Lebenswirklichkeit, Begegnungen mit skurillen Zeitgenossen und tiefgründige Betrachtungen vermischen sich zu einem einzigartigen, historischen und äußerst unterhaltsamen Reiseroman.

Weitere Buchzitate

»Ich glaube, wer eine Reise von langer Hand plant, ist im Innersten überzeugt, dass er sie niemals antreten wird.«

»Wenn man einen Gefährten hat, fixiert einen das in der Zeit, und zwar in der Gegenwart, aber wenn sich das Alleinsein niedersenkt, fließen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen.«

»Die äußere Realität hat eine kuriose Art, am Ende gar nicht so äußerlich zu sein.«

Google Doodle
zu Steinbecks 112. Geburtstag
Heute ist sein 119. Geburtstag

Your Room Will Be Ready

150 Jahre Royal Albert Hall
For Friends only von W. H. Auden
vorgetragen von Mick Jagger
Regie Tom Harper
Filmmusik Steven Price
Die meiste Zeit des Jahres leer und still
Erwartet dieser Raum, 
Was Ihr allein als Besucher beitragen könnt
Abstand und Pflichten trennen uns
Doch die Trennung wird nicht als schlimm erscheinen,
Wenn sie unser Wiedersehen
Zu einem wahren Erlebnis macht
Kommt, wenn es soweit ist
Eurer Raum wird bereit sein

(Übersetzung: Rolf Krane)